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I I Peter Gruber, wer Ihren neuen Roman liest, wird fasziniert sein von Ihrer Beweglichkeit, wie Sie mit den Schauplätzen umgehen, überrascht sein von der genauen Beschreibung der Bergwelt des Dachsteinmassivs und sich über die optimale Durchsetzung mit bildhafter, lebendiger, ja „sprechender“ Sprache freuen können. Wie charakterisieren Sie Ihren Schreibstil? Eigentlich setze ich an der Umgangssprache an, verwende eine Prosa mit lyrischen Zügen, auch bei der Natur. Sie ist immer da in meinen Geschichten, sie gehört dazu, oft mit einem nüchternen Zug, mit archaischen Ausdrucksformen. In meiner Literatur ist „Erde“, sie kommt an, weil auch offene und frei denkende Menschen Bodenständigkeit, Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte suchen und in meinen Texten finden können. Ich schreibe „ihre“ Geschichte. Gibt es so etwas wie eine Moral im Umgang mit der Natur? Sie schreiben von den grenznahen Begegnungen von Mensch und Natur. Eine Moral gibt es, man vermisst oftmals die positiven Vorbilder. Beispielhaft wirkt, wie ein Mensch bewusst oder verantwortungslos damit umgeht. Man muss nicht jeden unberührten Platz erschließen und begehen, sondern kann ihn auch „sein“ lassen. Wenn ich mit ansehe, wie sehr wir Menschen die Natur, insbesondere die Berge, in den Alpen und überall in der Welt, ständig in ihren Grenzen herausfordern, bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass wir kaum lernfähig sind. Rhein-Neckar-Zeitung / Interview von Norbert Jung / Juni 2006 Ist das nicht ein krasser Gegensatz? Großstadt und Almsommer? Ich kenne beide Lebenswelten schon seit vielen Jahren und kann, so meine ich, gut damit umgehen. Es sind vor allem die Gegensätze, die mich anziehen. Aus ihnen schöpfe ich, erkenne ich, lerne ich vieles besser verstehen. Gerade was Wien betrifft, ist es die kulturelle Vielfalt. Die Stadt hat etwas Weltliches, Kosmopolitisches. Für mich sind Gegensätze jedenfalls sehr wichtige Lebenskomponenten. Wann hast du entschieden, Schriftsteller zu werden? Bin ich das? Ich glaube, man kann das im Grunde gar nicht entscheiden. Ein Beruf im klassischen Sinne ist es ja nicht. Man wird es vielleicht irgendwann, weil man als solcher gesehen wird, aufgrund von Publikationen, Veröffentlichungen, Lesungen. Ich habe vor zehn Jahren für mich entschieden, aus einer nebenberuflichen Tätigkeit einen Mittelpunkt zu machen. Wann hast du zum Schreiben angefangen? Erste Erzählversuche habe ich im Alter von etwa 13 Jahren gemacht. Ein entscheidender Meilenstein war gewiss die Theaterzusammenarbeit mit der Landjugend Pruggern-Michaelerberg und die Freiluft-Aufführung „Der Gamshuber“. Der Erfolg hat mich bestärkt, ernsthaft dranzubleiben. Was ist dein nächstes schriftstellerisches Vorhaben? Viele Stoffe, Geschichten und Ideen befinden sich auf Reisen in meinem Kopf. Konkret möchte ich immer erst dann werden, wenn ich selbst den letzten Punkt unter ein Werk gesetzt habe. Trotz aller notwendigen Öffentlichkeit sind es auch sehr weit reichende persönliche Entscheidungen. Ein historischer Roman etwa bedeutet für mich, mindestens drei Jahre lang intensiv damit zu leben. WIR / Martin Huber im Gespräch mit Peter Gruber / November 2005 Ausbruch in die Realität. Der Almsommer ist vorbei, die Natur wendet sich vom Menschen ab. Ein Abschied. Jetzt sind die Schatten lang. Die rotgoldenen Lärchen werfen sie weit in den Almboden, der vom frischen Schnee in einen tiefen Schlaf gewiegt wird. Der Schriftsteller ist Viehhüter der Alm, beim Namen nennen will er sie aber nicht. Zu unwichtig sei die Hütte angesichts der einnehmenden Weite des östlichen Dachsteinmassivs. Eine Natur, die sich nun von ihrer wenig idyllischen Seite zeigt. „Jetzt lehnt sie den Menschen ab. Auch das ist wichtig. Zu wissen, dass man gehen muss“, erklärt Gruber. Bis weit ins Salzkammergut kennt man Peter Gruber. Einer, der da oben auf der Alm lebt und schreibt. Und wenn er bei einer seiner ausgesuchten Lesungen angetroffen wird, stellt sich die Frage: Wie man das Leben dort überhaupt aushält? Stets ein bisschen sehnsüchtig, ein bisschen ungläubig. „Es ist die Suche nach dem unglaublich Einfachen“, skizziert Gruber. Schwierigkeiten, allein und mit den Umständen der Natur umgehen zu können, hatte er nie. „Der letzte Sommer war ein normaler Sommer, ich lebe nicht nach Wetterprognosen, sondern mit dem Wetter. Veränderungen, die mir die Natur oder das Vieh bringen, irritieren mich nicht“, so Gruber. Manchmal, nicht sehr oft, kommt ein Almnachbar oder auch einmal ein Wanderer vorbei. Das kann Peter Gruber schon irritieren. Im nächsten Sommer wird Gruber in diese Realität zurückkehren. Und damit für viele aus der Realität ausbrechen. Kleine Zeitung / Barbara Haas / 24. Oktober 2004 Textwerkstatt-Alm. Was aus einer volkskundlichen Studie stammen könnte, findet sich in der zweiten Hälfte des Romans „Notgasse“ und also auch irgendwo mit Bleistift geschrieben in einem der grauen Recycling-Papier-Spiralblöcke aus der almerischen Textwerkstatt von Peter Gruber. Der Autor zieht sich nach ausführlichster Recherche zu seinen jeweiligen historisch-aktuellen Themen in Bibliotheken und Archiven jeden Sommer für Konzeption und Niederschrift ins inspirierende Areal einer ihm von klein auf vertrauten Hochalm im Kemetgebirge zurück. Ludwig Wittgensteins „Denkhütte“ in Norwegen und Gustav Mahlers „Komponierhäuschen“ am Wörthersee waren Refugien fürs ausschließlich künstlerische Tun, Peter Grubers Arbeitsplatz ist dagegen in die Realität einer bundesforstlichen Servitutsalm mit kleiner Galtviehherde eingebunden. Der Geist weht bekanntlich, wo er will, der Begeisterung aber kann etwas nachgeholfen werden, und sei es durch die Wahl eines real-imaginären ArbeitsOrtes, schön und belebend daran bleibt: was solch einem Klima der Konzentration und Aufmerksamkeit entsprungen ist, vermag seine energetischen Qualitäten einer begeisterten Leserschaft mitzuteilen. Bodo Hell / Katalog zur Ausstellung „Auf der Alm“ / Trautenfels 2004 Einsiedler. Jenseits der Romantik Rückbesinnung auf das Wesentliche und tiefgängige Inspiration. Irgendwo im Kemetgebirge, zwischen den Ausläufern des Dachstein und dem Ausseerland, dort, wo sich keine Touristen mehr blicken lassen und sich das bloße Kalkgestein auf wundersam karge Weise ausbreitet, verbringt der Autor und Viehhalter seinen Almsommer. Die gesamte Landschaft teilt sich in solche Gräben, die mit scheinbar zufällig verstreuten Gesteinsbrocken geziert sind. Allesamt aus Kalk. Wer den verschlungenen Weg durch Gräben und Hügel nicht genau kennt, scheitert hilflos an der scheinbaren Gleichheit der Landschaft. Von den romantischen Sprüchen, die man auf den Häferln in der Hütte lesen kann, ist nichts zu merken. Keine Almenromantik, sondern das Wetter bestimmt den Tagesablauf. Und die Tiere. Er muss nach ihnen suchen, wenn sie nicht da sind, hackt Holz oder tut, was er am liebsten tut. Er schreibt. Besonders an kalten, regnerischen Tagen findet er Ruhe, um seine Gedanken zu Papier zu bringen. Hier entstand auch die Idee zu seinem ersten Roman. Inspiriert von der Vorstellung, dass diese Gegend einst nicht so menschenleer war. Kleine Zeitung / Barbara Haas / 5. September 1999
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